Der Tesla – eine Dreckschleuder?

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Wenn der Wirt die Ökorechnung selbst nachprüft

Begleitet von großem medialem TamTam konnte Elon Musk, Chef des E-Autoherstellers Tesla, soeben einen durchschlagenden Erfolg bei der Vermarktung seines neuen Modells 3 feiern.

Es ist ihm gelungen, bei potenziellen Käufern einen regelrechten Hype auszulösen. Noch vor Präsentation des neuen Autos standen Kaufwillige stundenlang Schlange, um sich gegen Vorauszahlung von rund 1.000 $ eine möglichst frühzeitige Lieferung zu sichern. Bereits nach etwas mehr als einer Woche konnte Musk verkünden, er habe 350.000 Bestellungen (und damit rund 350 Mio. an Vorauszahlungen) erhalten. In Besitz nehmen können die Kunden ihren neuen Wagen übrigens erst ab ca. Ende 2017.

Was hat diesen Hype überhaupt ausgelöst? Ausschlaggebend sind zwei Dinge: Die seit Jahr und Tag massiv von Medien und Politik betriebene Kampagne gegen das CO2 als angeblichen Auslöser einer „Klimakatastrophe” und die erstaunliche Kunst vieler Menschen, Realitäten auszublenden und nur das wahrzunehmen, was man glauben möchte. Das funktioniert beim E-Auto ganz prima, indem man so tut, als wäre das Fehlen eines Auspuffs gleichbedeutend mit völliger Emissionsfreiheit.Dabei stimmt das (mit Ausnahme ganz weniger Länder wie Norwegen und der Schweiz) überhaupt nicht, weil entsprechende Emissionen sehr wohl anfallen – allerdings nicht beim Auto selbst, dafür aber in den Kraftwerken, welche den Strom für die Fahrzeuge bereitstellen. Doch aus den Augen, aus dem Sinn – was das böse, „dreckige” Kohlekraftwerk tut, hat doch mit mir und meinem sauberen Stromer nichts zu tun, nicht wahr? Diese Kunst des individuellen und kollektiven Selbstbetrugs ist gerade in unseren Ländern weit verbreitet und bildet die Grundlage für den Erfolg von cleveren Geschäftemachern wie Musk, der es blendend versteht, die Illusionen des Publikums für seine Zwecke auszuschlachten. 

Wenn ein asiatischer Wirt selbst nachrechnet…

Doch illusionistische Tricks, die in Europa und den USA bestens funktionieren, können in anderen Ländern platzen wie Seifenblasen, wenn sich nüchtern kalkulierende Verwaltungsfachleute ernsthaft mit den Grundlagen der behaupteten „Umweltfreundlichkeit” beschäftigen. So kürzlich geschehen in Singapur, wo ein ortsansässiger Geschäftsmann versuchte, die Zulassung für einen gebrauchten Tesla Modell S zu bekommen. Hierüber berichtete der Journalist Stefan Weißenborn in der „Welt” [WELT] unter Berufung auf einen Bericht in der „Straits Times” vom 5. März [STTI].

Als der stolze Besitzer den teuren Luxusschlitten in Singapur anmelden wollte, gab es nämlich nicht nur monatelange Verzögerungen, obendrein wurde auch noch eine happige Kohlendioxidabgabe von 15.000 $ fällig. Dem Bericht in der „Welt” zufolge ermittelten die örtlichen Zulassungsstellen einen CO2-Ausstoß von 222 g/km. Dieser wurde aus dem Verbrauch an elektrischer Energie von 444 Wattstunden/km errechnet, wobei man sich auf einen Standard der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (ENEC) berief. Singapur bezieht seinen Strom hauptsächlich aus Gaskraftwerken: Bei Kohlekraftwerken sähe die Bilanz des Tesla sogar noch deutlich schlechter aus.

Gefahr für Elon Musks Geschäftsmodell?

Für Elon Musk kam diese Entscheidung ungelegen. Schließlich war seine Geldsammelkampagne für das Modell 3, den „E-Car für das Volk”, gerade angelaufen. Doch ungeachtet dieses Rückschlags hat der Hype um seine „sauberen, abgasfreien” Fahrzeuge inzwischen so erfolgreich Wurzeln geschlagen, dass er in kürzester Zeit rund 350 Mio. US-$ für Vorbestellungen von Fahrzeugen einsammeln konnte, die frühestens erst ab Ende 2017 verfügbar sein dürften.

Gefahr könnte auf längere Sicht allerdings seinem eigentlichen Geschäftsmodell drohen, das aus dem Einsammeln von Subventionen durch Förderungen und sonstigen Zahlungen für seine angeblich zukunftsgerichteten, „CO2-freien” Technologien besteht. So wird in einem Artikel von Jerry Hirsch in der Los Angeles Times [LATI]vorgerechnet, dass Musks Firmen von diversen US-Stellen im Jahre 2014 Fördergelder bzw. Steuervorteile etc. in Höhe von insgesamt 4,9 Mrd. $ erhalten haben. Hiervon gingen 2,391 Mrd. $ an Tesla Motors, 2,516 Mrd. $ an die Solarzellenfabrik SolarCity und vergleichsweise magere 20 Mio. $ an seine Raumfahrtfirma Space Exploration Technologies. Weitere, vor allem indirekte Subventionen in nicht unbeträchtlicher Höhe kommen dem Unternehmen noch zusätzlich durch Fördermaßnahmen in anderen Ländern wie z.B. Norwegen zugute: In Großbritannien erhalten Tesla-Käufer einen Zuschuss von 8.800 $, Hong Kong verzichtet auf Anmeldesteuern in Höhe von bis zu 115 % des Fahrzeugwerts, und in Norwegen entfallen beim Kauf eines Model S Steuern von etwa 135.000 $ [STTI].

All diese Vorteile verdankt Tesla seinem Saubermann-Image, das jetzt durch respektlose Asiaten, die einfach mal selbst nachgerechnet haben, in Frage gestellt wurde. Dem Artikel in der „Welt” zufolge hat Elon Musk mittlerweile mit Singapurs Premierminister Lee persönlich Kontakt aufgenommen.

Gegenwind auch aus Hongkong

Doch auch andere Asiaten scheinen die Mär vom angeblich „sauberen” Elektroauto nicht so unbesehen für bare Münze zu nehmen wie viele Europäer und US-Amerikaner. Einer Bloomberg-Meldung vom 14. April ist zu entnehmen, dass man in Hongkong vermutet, dass E-Autos indirekt 20 % höhere CO2-Emissionen verursachen als Benziner [BLOO]. Das liege daran, dass Hongkong mehr als die Hälfte seines Stroms aus Kohlekraftwerken bezieht Deshalb sei anzuraten, die Stromerzeugung zunächst auf Erdgas und Windenergie umzustellen, bevor man den Einsatz von E-Autos durch Steuervorteile fördert. In Hongkong und noch mehr in China erhöhten E-Autos eher die Luftverschmutzung, statt sie zu mindern, und der Steuerzahler müsse dies auch noch fördern. Über eine Lebensfahrstrecke von 150.000 km gerechnet könne ein Tesla S in Hongkong den CO2-Ausstoss eines BMW 320 um ganze 4,4 Tonnen übertreffen [BLOO].

Ein völlig neuartiges Öko-Antriebsmodell

Dennoch scheint der Tesla-Hype vorerst ungebrochen, wie die immer weiter nach oben schnellenden Bestellungen für das Modell 3 Anfang April belegten. Diesbezüglich scheint Elon Musk über ähnliche Qualitäten zu verfügen wie andere clevere Geschäftemacher, die Großprojekte wie Desertec oder das Tauschbatterieprojekt von „Better Place” an den Mann gebracht haben. Was Spötter angeblich bereits zu dem Spruch verleitet haben soll, dass man angesichts der ungebrochenen Welle von Vorbestellungen für das Modell 3 annehmen müsse, die eigentliche Energiequelle dieser Fahrzeuge sei nicht etwa „sauberer” Strom, sondern 100 % reines Öko-Schlangenöl.

Allerdings gibt es auch Informationen, dass hinter diesem Hype in etlichen Fällen schlichte Geldgier stehen könnte. Manche der frühen Käufer spekulieren offensichtlich darauf, dass der Boom bei E-Fahrzeugen weiter anhält und sie einen „frühen” Vertrag so in 1-2 Jahren mit erheblichem Gewinn verkaufen können. Sollte die Tesla-Blase bis dahin allerdings platzen, so stünden sie statt mit sattem Gewinn mit leeren Händen da. Ein Tausender futsch „for nothing”. Wollen wir das Beste hoffen.

Quellen

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Teslas May Be Making Hong Kong’s Pollution Worse – Bloomberg

Electric vehicles in Hong Kong may indirectly be the cause of almost 20 percent more carbon dioxide emissions than gasoline-fueled motors, undermining the city’s efforts to get ‘green’ cars on the road, according to Sanford C. Bernstein.

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Three companies, $4.9 billion in government support – LA Times

Elon Musk’s California companies — Tesla, SolarCity and SpaceX — have enjoyed at least $4.9 billion in government support. Here’s how the subsidies add up: TESLA MOTORS: $2.391 billion total $1.29 billion — Nevada tax incentives for Gigafactory $45 million — Value of discounted Department of Energy…

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Electric car Tesla slapped with $15,000 tax surcharge, Transport News & Top Stories – The Straits Times

An electric car which attracts tax breaks in several countries has been slapped with a tax surcharge in Singapore.. Read more at straitstimes.com.

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CO2-Abgabe: Singapur stuft Tesla als Dreckschleuder ein – WELT HD

10.000 Euro – Zuschüsse in dieser Höhe sind in manchen Ländern beim Kauf eines E-Autos üblich. In Singapur musste der Käufer eines Tesla jedoch einen Import-Aufschlag in dieser Höhe zahlen. Warum

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