Die Kirche von Sankt Doris

Die Kirche von Sankt Doris

Wundersame Energievermehrung, Pilgerflüge nach Dubai und sehr viele Propheten – eine neue Religion hat die Schweiz erfasst: die Nachhaltigkeit.

Gepredigt wird sie vor allem von der Energie- und Umweltministerin und ihren ­kirchenähnlichen Bundesämtern für Umwelt (Bafu) und Energie (BfE). Dazu kommt eine ­gutorganisierte, sektenhafte Glaubensgemeinschaft aus WWF, Greenpeace, Cleantech, Energie Schweiz. Mit von der Partie sind aber auch staatsnahe Betriebe wie SBB, Post oder selbst Swisscom sowie opportunistische Privatfirmen.

Der Begriff «nachhaltig» kommt im sechzigseitigen Bericht des Bundesrats 301-mal vor, wird aber wie in allen Religionen so wenig präzisiert wie etwa Himmel und Hölle. Wie jede Religion braucht auch die Nachhaltigkeit eine Hölle. Der böse Mensch versündigt sich an der friedlich-harmonischen Natur durch einen grös­senwahnsinnigen Fussabdruck.

Damit lenkt er unsere Mutter Erde in Richtung Untergang – durch Überhitzung des Klimas und andere Umweltzerstörungen sowie Ressourcen­Erschöpfung. Die neuen Gebote lauten daher: CO2-Reduktion auf null, Fussabdruck von eins. Jeder soll mit 2000 Watt auskommen. Genügsamkeit im Konsum, Bio-Food, Veganismus und überhaupt durchgehend nachhaltige Lebens- und Verhaltensweisen.

Strom bei Vollmond

Statt Engeln schwebt heute während 500 Tagen eine «Solar Impulse» am Himmel. Statt übers Wasser zu laufen, fliegt Piccard nur mit Sonnenstrahlen, die bekanntlich keine Rechnung schicken. Man fragt sich nur, weshalb das dann gegen eine halbe Million Franken pro Tag kostet. Der ABB-Chef präsentiert sein eigenes Wunder: die Stromproduk­tion mit Mondlicht. Mit einem Quadratkilometer Panelfläche können wir nämlich in jeder klaren Vollmondnacht immerhin vier 100-Watt-Lampen zum Leuchten bringen. Diese sollen uns wie der Stern von Bethlehem die Drei Könige zur Wiege einer Wunder-Technik führen. Und die UBS verbreitet die Kunde, dass Investitionen in Sonne und Wind marktfähig werden. Bis es so weit ist, braucht man halt noch ein wenig Ablassgeld von den Konsumenten und Steuerzahlern. Statt einer wundersamen Brotvermehrung wird in den «Hütten von Brütten» mehr Energie erzeugt als verbraucht.

Kein Wunder, dass Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) an diese Wunderstätte gepilgert ist, um auch uns auf den rechten Weg zu weisen. Geschenkt: der Pilgerflug nach Dubai an diesem «super Tag für die Schweiz».

Die Migros will uns mit der obersten Predigerin Sankt Doris, sowie ihrem Propheten vom WWF eine nachhaltige Konsumbekehrung verpassen. Die Migros ist glaubwürdig, weil sie allein für ihr grösstes Solarwerk nicht nur den Zuspruch der Gläubigen bekommt, sondern auch noch gegen zwei Millionen pro Jahr an «Einspendevergütungen» abkassiert. All das ist eben moralisch gut. Wer braucht bei all dieser Bio-Ideologie noch wissenschaftliche Biologie, die beweist, dass Pestizide gegen Mücken oder GVO-Reis Millionen von Menschen vor dem Tod durch Malaria oder Hunger bewahren könnten?

Die gewissenlos-profitgie­rigen Multis sollen mit einer Konzernverantwortungsinitiative zur Nachhaltigkeit verpflichtet werden. Auch wenn Greenpeace inzwischen schon Millionen von Menschen­leben auf dem Gewissen hat, kämpft sie für den richtigen Glauben an Nachhaltigkeit. Die spanischen Inquisitoren wollten ja auch nur das Beste für ihre zu Tode gequälten Opfer. Die «Hütten von Brütten» sind ausser beim CO2 im Vergleich zu herkömmlichen Häusern gigantische Ressourcen-Verschleuderer. Ein einfaches Holzhaus mit Holzheizung und Atomstrom ist ebenfalls praktisch CO2-frei, aber unvergleichbar umweltschonender, weil es keinen wahnwitzigen Wasserstofftank, chemischen Solarmantel und Batteriespeicher aus Lithium sowie kein gefährliches Isoliermaterial benötigt.


Bewährte Lebensweisen werden angesichts der moralisch «guten» Nachhaltigkeit gegenüber der «bösen» Wirtschaftlichkeit zu Sünden erklärt. Anderslautende wissenschaftliche Erkenntnisse sind ketzerisch. Wie war das doch schon mit Galileo Galilei! Wie «unfehlbare» Religionsführer haben auch Diktatoren die Wissenschaft schon immer unter das Joch ihrer Ideologien wie des Nationalsozialismus oder des Kommunismus gezwängt. Aber jetzt soll ausgerechnet in der schweizerischen direkten Demokratie ein quasireligiöser Ökologismus die Freiheit von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur persönlichen Lebensgestaltung aushebeln? Wer die Nachhaltigkeitsbibel liest, kommt um die düstere Erkenntnis nicht herum, dass mit diesem neuen Glauben die Aufklärung (vordergründig) demokratisch in ihr Gegenteil verkehrt wird. Angesagt ist Bekehrung. Dafür ist fast jedes Mittel recht.

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