Grün gefärbter Mist

Grün gefärbter Mist

Das Departement Leuthard predigt die Theorie des ökologischen Fussabdrucks auf allen Kanälen. Diese blendet die technologische Entwicklung und den Welthandel aus.

Nachdem die grünliberale Initiative für eine Umwelt-Lenkungssteuer rekordverdächtig abgeschmettert wurde, haben am 25. September auch fast zwei Drittel der Stimmberechtigten nein zur grünen Planwirtschaft gesagt. Dennoch hat die zuständige Bundesrätin ­sogleich erklärt, es gehe natürlich weiter, weil wir ja dreifach über unseren Verhältnissen lebten und deshalb den «ökologischen Fussabdruck» verkleinern müssten.

Die Masseneinwanderungsinitiative hat grundsätzliche Fragen zur Umsetzung von ­angenommenen Initiativen aufgeworfen. Aber wie steht es mit abgelehnten Initiativen, zumal wenn die Ablehnung massiv ausgefallen ist? Hier macht man fröhlich wie gewohnt weiter. Man hat ja noch den «accord de Paris» und die Uno-Nachhaltigkeitsstrategie im Köcher, von der Energiewende ganz zu schweigen. Über all dies hatte das Volk bis jetzt nichts zu sagen. ­ Die Bundesverwaltung ist nicht zu bremsen und kann auf die Unterstützung der subventionsverwöhnten oder moralisierenden «Stakeholder» zählen. Energie Schweiz unterstützt gar mit 145 000 Steuerfranken ein Globi-Buch voller Propaganda und nachweisbarer Falsch­aussagen.

Das politisch aufgeladene Konzept des ökologischen Fussabdrucks wurde von den Behörden als verfassungstauglich eingestuft. Damit sind wir von einem Gottesstaat nicht mehr weit entfernt. Anstatt ­einer Fatwa liefern wir uns dem Global Footprint Network aus, einer vor allem geschäftlich erfolgreichen NGO. Die gesamte ökologische ­Belastung in einer Messgrösse – und dann erst noch einer Flächeneinheit – zu erfassen, ist a ­priori eine unerhörte «Anmassung von Wissen» (Hayek). Zudem erinnert alles stark an den Club of Rome mit seiner Theorie der absoluten Begrenzung der natürlichen Ressourcen, die längst zum Kollaps hätte führen müssen. Ähnliche ­Gedanken kennen wir seit dem Untergangstheo­retiker des Industriezeitalters, Thomas Robert Malthus (1766–1834), oder seit Paul R. Ehrlich (geb. 1932) und seiner «Bevölkerungsbombe».

Gemeinsam ist solchen Fehldiagnosen, dass sie die Lenkungsfunktion der Preise und den technischen Fortschritt total ausblenden. Begrenzte Ressourcen werden knapper und daher teurer, was Anreize schafft, sie effizienter zu nutzen oder ganz zu ersetzen. Statt, wie gross angekündigt, im Jahre 2000 ohne Gas zu sein, haben wir heute grössere Reserven als je zuvor und stark gesunkene Preise, weil die vorher gestiegenen Preise das Fracking technisch und wirtschaftlich forciert haben. Schon der Ersatz von Holz durch Kohle und später Öl hat der ­Natur sehr viel Land zurückgegeben und die ­totale Abholzung von Wäldern gestoppt. Demgegenüber ist der Anbau von pflanzlichen Monokulturen für biofuel mit enormen Zerstörungen von Böden und Urwäldern, aber auch mit ­lebensbedrohlichen Verteuerungen von Nahrungsmitteln verbunden.

Wenn wir den schweizerischen Volkswillen und die Existenznöte der Dritten Welt ernst nehmen, dann gehören «grüner Mist» wie die 2000-Watt-Gesellschaft oder der ökologische Fussabdruck auf den Abfallhaufen der Politik. Es kann doch nicht sein, dass dünnbesiedelte Länder wie Brasilien oder Kanada allein wegen ihrer hohen Bio-Kapazität gut wegkommen. Kanada hat einen knapp 30 Prozent grösseren Fussabdruck als wir, verzeichnet aber trotzdem einen «ökologischen Überschuss» von 8,5, während die Schweiz sich mit ­einem «Defizit» von 3,8 selbst ­anprangert.

Die zunehmende Verstädterung und Verdichtung ist eine globale Chance, vergrössert aber die Unterschiede. Das korrigiert der internationale Handel so, dass kleine und fortgeschrittene Länder Energieträger und Nahrungsmittel importieren und dafür Hightech-Produkte exportieren, von denen die Länder mit einem Überschuss an Bio-Kapazität und Technologierückständen profitieren. Zudem würden technische Rückschritte wie eine von genverän­derten Organismen freie Landwirtschaft à la Nationalrätin «Bio-Maya» Graf oder ein Ersatz der Kernenergie durch Windmühlen das ­«Defizit» in der Schweiz vergrössern.

Das Parlament muss jetzt klare Zeichen setzen, etwa mit der Abschaffung von Energie Schweiz oder der Rückweisung der Nachhaltigkeitsstrategie nach illusionärem Uno-Diktat. Auch der fahrlässige Alleingang von Paris muss korrigiert werden. An die Stelle des Fussabdrucks soll ein «Gestaltungsabdruck» treten, der sich am wissenschaftlich-technischen Fortschritt und an den Weltmärkten orientiert. Nur so können wir die Welt zum Wohle der Menschheit und hin zur Entlastung der Umwelt entwickeln und die Begrenztheit der Ressourcen auch in Zukunft immer wieder neu überwinden.

(Dieser Beitrag ist zuerst als Kolumne in der "WELTWOCHE" Nr. 41/16 vom 13. Oktober 2016, S. 28, erschienen.)

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