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Jugend-Demos für Klimaschutz: Wo bleiben Logik und Systemdenken?

Jugend-Demos für Klimaschutz: Wo bleiben Logik und Systemdenken?

Leserbrief zur «Südostschweiz»-Reportage vom 4. Februar 2019: «Auf die Strasse für eine konsequente Klimapolitik», publiziert am 6. Februar 2019.

Logik und Systemdenken sind nötig zur Reduzierung des CO2-Ausstosses

Es ist bewundernswert, dass sich europaweit Studierende ihre Freizeit nehmen, um sich für die Reduktion der Treibhausgase einzusetzen. Die jungen Leute fordern eine konsequente Umweltschutzpolitik. Es müsse muss rasch und wirkungsvoll gehandelt werden, denn es gehe um ihre Zukunft. Das CO2-Gesetz gibt die Rahmenbedingungen vor. Die Massnahmen zur Umsetzung der CO2-Reduktion betreffen dann hauptsächlich die Energie- und die Verkehrspolitik, denn dort liegen die Ursachen der grossen CO2-Emissionen. Eine konsequente, kluge «Klimapolitik» muss also ganzheitlich konzipiert sein und vorurteilsfrei sämtliche Möglichkeiten des Energiesystems sowie des Verkehrs nachhaltig ausschöpfen.

Ausgehend vom bestehenden Stromsystem müssten logischerweise die beiden existierenden CO2-ärmsten Stromquellen aus Wasser- und Kernkraft aufrechterhalten und ausgebaut – aber keinesfalls abgeschaltet - werden. Der Ersatz der KKW durch erst zu bauende Windkraftwerke (meist mit Kohlestrom in Deutschland oder Dänemark hergestellt) und mit Photovoltaik-Panels (in China mit Kohlestrom hergestellt), ist nicht konsequent. Auch das Technologieverbot für zukünftige neue KKW (z.B. KKW der nächsten Generation) ist weder nachhaltig noch im Sinne einer konsequenten Energiepolitik. Vergessen wir nicht: bei fehlender Sonne und/oder fehlendem Wind werden zwingend zusätzliche, CO2-arme, bandstromfähige, wetterunabhängige Reservekraftwerke für die Versorgungssicherheit gebraucht. Wie im Artikel geschrieben: «Wir müssen heute auf neue Technologien setzen, nicht erst in 20 Jahren». Leider sind Quantensprünge in der Energiedichte von Batterien zur Speicherung von überschüssigem Sommerstrom eine Illusion.

Stromsparen geht nur bedingt, denn

a) die Verkehrspolitik setzt auf Elektroautos, was teure Investitionen in Ladestationen und Stromnetzverstärkungen bedingt. Warum protestieren die Jugendlichen nicht dagegen, dass elektrische Fahrzeuge aus Kohle- und Gasstrom hergestellt und mehrheitlich so betrieben werden und deren Batterien seltene Ressourcen aufbrauchen?

b) es soll – richtigerweise - der CO2-Ausstoss von fossilen Brennstoffen durch strombetriebene Wärmepumpen gesenkt werden. Auch dies braucht mehr Strom.

Die Klimaerwärmung ist ein globales Problem. Im Moment baut die Energiestrategie 2050 auf Stromimporte, um unsere Strom-Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Diese Importe stammen aus Kohle- und Kernkraftwerken. Zudem importieren wir - zwar weniger als früher – unsere Brenn- und Treibstoffe zu praktisch 100% aus dem Ausland. Die Verfügbarkeit von Importen ist einerseits immer mit einem Risiko verbunden und anderseits ist es dem CO2 leider egal, wo es ausgestossen wird. Die jungen Leute wissen, dass wir alle die Verantwortung dafür tragen.

Glyphosate, le drame
 
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