Meilleur en France?

Meilleur en France?

Täglich kommen gegen 30 000 Franzosen freiwillig zur Arbeit in die Region Basel. Würde man sie aber fragen, ob sie auch bei uns wohnen möchten, würden die allermeisten verständnislos den Kopf schütteln. Seit jetzt 33 Jahren verhalten wir uns ähnlich: Wir leben in Basel, aber verbringen unsere Freizeit – vor allem an den Wochenenden – im Sundgau mit Blick auf die Porte de Bourgogne, also genug weit weg, um im 250-Seelen-Dorf die einzigen «Non-Résidents» zu sein.

Was ist für die Freizeit hier besser? Da wäre einmal die weite und offene Landschaft, die ohne Dichtestress das Wandern, Radfahren, aber auch Golfen erlaubt. Wanderkarten und Wanderwege sind zumindest durch den Club Vosgien logischer signalisiert. Gleiches gilt für «danger de mort» statt «Lebensgefahr».

Stillgelegte Regionalbahnen oder Pferdetrassees am Kanal sind zu Velowegen geworden, und vom Golfclub hat man eine grüne und freie Aussicht bis zu den Alpen. Besser sind nicht nur Wein und Käse, sondern fast alle anderen Lebensmittel wie Brot, Fleisch, Gemüse oder Früchte. Und das alles erst noch zum halben Preis.

Obwohl Volks- und nicht Hauswirt, bereitet mir die Markthalle von Belfort einen Riesenspass. Alles ist authentisch: von den Nordafrikanern an den Gemüseständen bis hin zum Emmentaler Täufer-Nachfahren mit seinem Ziegenkäse, dem Fischhändler mit frischer Ware oder all den anderen Original-Spezialitäten. Man kann alles probieren und über alles reden.

Parkplätze sind gratis und reichlich vorhanden. Aber selbst die Supermärkte sind abends bis 20 Uhr offen, und Bäckereien sind am Sonntag bis 13 Uhr geöffnet. Mein Lieblingsbäcker, der qualitativ sämtliche Basler altbacken aussehen lässt, ist dienstags bis sonntags ab 5 Uhr persönlich vor Ort. Kartoffeln gibt es nicht nur als Einheitsbrei, sondern hoch differenziert nach Sorten, Grössen und Verwendungszwecken (Frites, Stock, Salat etc.).

Auch bei der Milch besteht eine Auswahl zwischen verschiedensten Marken und Flaschen mit unterschiedlichen Grössen und unterschiedlichem Fettgehalt. Die Verpackung ist so genial, dass wir die leeren Flaschen nach Basel nehmen, um die ärgerlichen Tetrapackungen umzuschütten.

Aber auch Strom und Wasser werden professionell angeboten, ohne Umerziehung oder politische Propaganda. Verwertbarer Abfall ist gratis, der Rest wird elektronisch gewogen und exakt verrechnet. Kürzlich habe ich einen Glasfaseranschluss direkt ins Haus bekommen, installiert von einer öffentlichen Gesellschaft, aber mit einer freien Wahl zwischen acht privaten Providern für Internet, Telefon, Radio und TV. Das ist eine saubere Trennung zwischen monopolistischer Infrastruktur und Wettbewerb zwischen Anbietern.

Aber nicht nur in der Natur fühlt man sich freier, sondern auch in der Alltags-Kultur. Der Weekend-Figaro ist besser als unsere Sonntagspresse. Mein Nachbar ist 95 Jahre alt und fährt mit seinem Auto prüfungsfrei zum Einkaufen, weil er sich tagsüber an den gewohnten Weg hält und Autofahrer nicht wie in unserer grün-roten Quasi-Diktatur geplagt werden.

Als Grundstück-Steuerzahler bekomme ich das Protokoll des Gemeinderats zugestellt. Oder bei der Umwandlung der Scheune genügte eine einfache Baueingabe, die nach einem Monat ohne Zusatzfragen automatisch als genehmigt galt. Und den Pool darf ich elektrisch heizen!

Zuerst publiziert in der «Basler Zeitung» BaZ vom 6. September 2018.

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