Muba zieht Bilanz

Muba zieht Bilanz

Obwohl ich Gratiszeitschriften normalerweise gleich und erst noch politisch korrekt entsorge, hat meine Gattin das Blatt aufgeschlagen und mir die erste Seite unter die Nase gehalten. Davon gleich mehr. Die MUBA weckt in mir schönste Kindheitserinnerungen, fuhren wir doch jedes Jahr mit meinem Vater und den beiden Brüdern mit dem Auto aus dem Bernbiet nach Basel. Erster Höhepunkt war jeweils die Strecke zwischen Schweizerhalle und Birsfelden, die für meinen Vater eine Autobahn darstellte und ihn zum (relativen) Rasen verlockte. Für den CO2-Austoss wird ihm wohl 50 Jahre nach seinem Tod im Ökohimmel verziehen worden sein, umso mehr, als ich mich noch gut an einen Holzvergaser erinnere. Wir fuhren also schon damals mit Biotreibstoff.

Aber auch die MUBA selbst war eine Supersache mit viel Geschleck und Speck im wahren und übertragenen Sinne. Aber das war einmal. Die Zukunftsvision ist gemäss Muba 18-Zytig nicht auf die Bedürfnisse der Aussteller oder Besucher ausgerichtet, nicht auf Fun, Information oder gar Genuss – nein, es ist die CO2-Neutralität! Mit Datum 12.4.18 ist das eindeutig zu spät für einen April-Scherz. Doch beim Weiterlesen wird mir klar, dass der Weltrettung vor dem Klimauntergang eben Vorrang gebührt. Wie wärs mit einer radikalen Lösung, nämlich auf die MUBA aus Suffizienzgründen ganz zu verzichten, um so den Konsumverzicht einzuläuten? Möglicherweise wird diese Messe ja ohnehin schon bald verschwinden, aber man hätte dann zumindest die Moral auf der Basler Seite.

Aber auch die Logik legt gemäss dem Messeleiter das Vergraulen der Besucher nahe, insbesondere der kauffreudigen Autoreisenden; denn gemäss einer Studie von Swiss Climate entsteht «weitaus am meisten CO2 – rund die Hälfte – bei der Anreise». Und bei der Abreise? Immer nach derselben Studie «fallen Heizung und Stromverbrauch kaum ins Gewicht». Der Grund dafür sei die Fernwärme zum einen und die Solarenergie vom Messedach zum anderen. Also die Fernwärme kommt aus der gar nicht so fernen Verbrennungsanlage, die offenbar kein CO2 ausstösst. Und die Solarzellen haben ihre dicksten CO2-Spuren im fernen China gelassen. Der Ingenieur Ferroni hat für unsere Breitengrade berechnet, dass der Solarstrom über den gesamten Lebenszyklus hinweg bestenfalls etwa gleich viel Energie als Input für den Bergbau, die Produktion, die Montage und den Rückbau samt Entsorgung der Solarzellen verbraucht, wie er ins Netz einspeist. Aber die MUBA ist selbst im reformierten Basel auch im Ablasshandel tätig. Man kann nämlich auf dem Online-Ticket einen freiwilligen Zuschlag entrichten, der dann an die Stiftung myclimate fliesst und Klimaprojekte finanziert, welche die CO2-Emmision der Anreise kompensieren.

Der zweitgrösste CO2-Sünder der MUBA ist die Gastronomie mit einem Drittel. Aber auch hier ist man innovativ und schubsig. Mehrweggeschirr ist Pflicht, und «Original Regional» sowie «Urban Gardening» werden hervorgehoben. Ich möchte meine kritischen Kommentare mit zwei kreativen Vorschlägen ins Positive drehen – oder zumindest als Ablass kompensieren. Wie wärs mit einem Staubsauger aus Hinwil, der das CO2 direkt aus der Luft holt? Oder wie wärs mit einem Treibhaus mit Solarstrom vom Dach und dem Treibhausgas CO2 vom Hinwil-Sauger, um regional oder gar urban Bananen zu züchten, die dann mit Kistenvelos an die MUBA gebracht werden?

Dieser Beitrag ist zuerst in der «Basler Zeitung» vom 26. April 2018 erschienen.

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