Ungesunde Gesundheitskosten

Ungesunde Gesundheitskosten

Wir geben immer mehr aus für unsere Gesundheit. Ist das überhaupt ein Problem? Gesundheit ist wie Reisen oder Ferien ein ultra-superiores Gut, für das wir mit steigendem Einkommen überproportional mehr ausgeben – und zwar freiwillig.

Aber die im Vergleich zum Einkommen stärker und kontinuierlich wachsenden Gesundheitskosten sind keine rein private Angelegenheit wie das Reisen. So ist etwa die Krankenversicherung für alle obligatorisch und sozial abgefedert. Das ist nicht per se zu kritisieren. Was schiefläuft, beruht auf falschen Verhaltensanreizen sowohl bei den Anbietern als auch den Nachfragern als Folge von politischen Fehlregulierungen. Beginnen wir mit uns Patienten.

Ist die Jahresfranchise im November schon ausgeschöpft, lassen wir nicht dringliche Untersuchungen oder Eingriffe noch im laufenden Jahr (absolut gratis für uns) vornehmen. Termine sind im Dezember begehrt und entsprechend knapp. Oder wir wählen eine hohe Jahresfranchise, solange wir uns gesund und munter fühlen, aber wechseln bei einer Verschlechterung in einen Vertrag ohne Franchise. Wie wäre das zu verhindern? Ganz einfach durch längerfristige Verträge mit den Krankenkassen. Aber auch die ambulanten Anbieter haben Fehlanreize: nicht trotz Tarmed, sondern wegen dieser staatlichen Preisfixierung von jeder einzelnen Leistung. Der Bundesrat schreibt vor, wie lange ein Diagnosegespräch sein und was die Minute kosten darf. Das grenzt an Absurdität, wie ein Vergleich mit der Autoversicherung zeigt.

Stellen wir uns vor, die Versicherungsgesellschaften erstellten eine Tarrep-Liste für alle möglichen Reparaturen. Warum kommt niemand auf diese unsinnige Idee? Weil Versicherer genau wissen, dass sie so die Kosten nicht im Griff haben, weil die Garagen die Tarife so jonglieren würden, dass sie möglichst viel verdienen. Was die Versicherungen hingegen herausfinden können, ist, welche Garagen teuer oder schlecht sind. Diese Informationen beschaffen sie sich aus den Statistiken und durch Experten vor Ort. Wo liegt also der Hase im Pfeffer? Beim Vertragszwang, also der Pflicht aller Krankenkassen, alle «Garagen» als Partner zu akzeptieren. Die Aufhebung des Vertragszwangs für die Krankenkassen würde den qualitativen und preislichen Wettbewerb fördern und nicht wie die Verfeinerung von Tarmed nur die Bürokratie. Jeder neue Tarmed ist überdies schnell medizintechnisch überholt.

Ein gröberer Fehlanreiz liegt auch in den Spitälern, die man durch fixe Fallpauschalen zur Effizienz zwingen will. Aber auch hier hat man die Mengen nicht im Griff. Und dies vor allem, weil die Spitalkosten nur zur Hälfte von den Versicherten zu tragen sind. Die andere Hälfte bezahlt ja der Kanton bzw. der Steuerzahler. Die Verlagerung von stationär zu ambulant würde den Steuerzahler entlasten zulasten der Versicherten, wäre aber kostensparend. Aus ökonomischer Perspektive sind nicht so sehr die Belastungen der Haushalte das Problem, sondern die der öffentlichen Haushalte und hier vor allem der Kantone. Der dümmste Vorschlag ist somit der, die Zielkonflikte der Kantone als Eigentümer, Regulatoren und Betreiber von Spitälern jetzt auch noch durch eine kantonale Einheitskrankenkasse zu verschärfen. Zielführend wäre eine einheitliche Finanzierung von ambulant und stationär.

publiziert in der Basler Zeitung vom 1. Februar 2018

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