Nobelpreis für einen Schubser

Nobelpreis für einen Schubser

Wenn er noch lebte, würde Friedrich August von Hayek seinen Wirtschaftsnobelpreis sicher zurückgeben; denn die diesjährige Verleihung an Richard Thaler (NZZ 10. 10. 17) würdigt genau das Gegenteil dessen, wofür Hayek als wirklich epochaler Denker geehrt wurde. Die Kritik der Verhaltensökonomie am liberalen Menschenbild stösst ins Leere, weil dieses nie davon ausging, dass wir keine Fehler machen. Denn die Zukunft ist ungewiss, und die Risikopräferenzen sind verschieden. Im Zentrum von Adam Smith und Hayek stand nicht das eng definierte rationale Verhalten des Einzelnen, sondern der Marktprozess als Entdeckungsverfahren. Dieser ersetzt die Anmassung von Wissen durch Experten oder Politiker und belohnt oder bestraft diejenigen Marktteilnehmer, die nachträglich richtig oder eben falsch lagen. Die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ist deckungsgleich mit der Eigenverantwortung.

Dass man Konsumenten mit «Schubsen» manipulieren kann, habe ich schon vor 50 Jahren in der Vorlesung Marketing verstanden. Aber in der privaten Werbung gibt es immerhin Konkurrenz. Wenn sich jedoch die Wissenschaft dafür in den Dienst der staatlichen Politik stellt und nicht nur entsprechendes Wissen, sondern auch Macht in Anspruch nimmt, ist das ein Rückschritt ins Zeitalter des autoritären Paternalismus. Wenn sich nämlich die von den «Schubsern» anvisierten Verhaltensänderungen, wie es sich bei Ernährung, Energie oder Altersvorsorge bereits abzeichnet, als Fehler herausstellen, haften dafür nicht die verantwortlichen Experten oder Politiker, sondern die unschuldigen Steuerzahler und Konsumenten.

Selbst der «Besitzeffekt» (Höherbewertung von Gütern, die wir schon besitzen) kann marktwirtschaftlich leicht erklärt werden: Der Eigentümer ist ein potenzieller Verkäufer mit einer hohen Preiserwartung, der Noch-nicht-Besitzer ein potenzieller Käufer mit einer tieferen Zahlungsbereitschaft. Wäre es umgekehrt, würden sich kaum Märkte mit beidseitig vorteilhaftem Tausch entwickeln.

(Dieser Beitrag ist auch als Leserbrief in der NZZ vom 12. Oktober 2017 erschienen.)

Lagerfeuergeschichten
Sündenfall oder Hoffnung?
 
Hans Rentsch am 13.10.2017

Der NZZ-Leserbrief "Nobelpreis für einen Schubser" baut zuerst ein falsches Feindbild auf, das dann kritisiert wird. Behavioral Economics richtet sich jedoch gar nicht gegen das liberale Menschenbild, sondern korrigiert nur den völlig rationalen "homo oeconomicus" der neo-klassischen Modell-Ökonomie durch realistischere Annahmen. Eines der Anliegen ist es, Märkte dadurch effizienter zu machen.
Die marktwirtschaftliche Erklärung des "Besitzeffekts" im letzten Abschnitt verstehe ich nicht. Mir scheint zudem, gerade weil es umgekehrt ist, entstehen überhaupt Märkte mit Tauschvorgängen. Damit sich ein Markt bildet, muss es Käufer geben, die mehr zu zahlen bereit sind, als der Verkäufer erwartet. Der beidseitig vorteilhafte Tausch entsteht ja dadurch, dass jede der beiden Seiten eine Rente erzielt (Konsumenten- und Produzentenrente).


Der NZZ-Leserbrief "Nobelpreis für einen Schubser" baut zuerst ein falsches Feindbild auf, das dann kritisiert wird. Behavioral Economics richtet sich jedoch gar nicht gegen das liberale Menschenbild, sondern korrigiert nur den völlig rationalen "homo oeconomicus" der neo-klassischen Modell-Ökonomie durch realistischere Annahmen. Eines der Anliegen ist es, Märkte dadurch effizienter zu machen. Die marktwirtschaftliche Erklärung des "Besitzeffekts" im letzten Abschnitt verstehe ich nicht. Mir scheint zudem, gerade weil es umgekehrt ist, entstehen überhaupt Märkte mit Tauschvorgängen. Damit sich ein Markt bildet, muss es Käufer geben, die mehr zu zahlen bereit sind, als der Verkäufer erwartet. Der beidseitig vorteilhafte Tausch entsteht ja dadurch, dass jede der beiden Seiten eine Rente erzielt (Konsumenten- und Produzentenrente).
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