Ökoeffizienz

Ökoeffizienz

Gestern hat die Stiftung Freiheit & Verantwortung in Zürich Stefan Schmidheiny für seine ausserordentlichen Leistungen zur Förderung des Unternehmertums in der Schweiz und für sein pionierhaftes Engagement für vermehrte Ökoeffizienz im Bereich der Wirtschaft, Produktion und Technik gewürdigt. Originelle Reden von Robert Nef, Rudolf Merz und dem Geehrten sowie eine musikalische Begleitung durch die Camerata Academica Zürich trugen zu einem gelungenen Abend bei. Eher bemühend war hingegen der vom Gastreferenten Prof. Thomas Dyllick breit gewälzte Umweltpessimismus und seine oberflächlichen Darlegungen zur unternehmerischen Nachhaltigkeit. Eines der vielen Verdienste von Stefan Schmidheiny, die Perspektive der Ökoeffizienz, hat meine Generation von Umweltingenieuren mit Bestimmheit stark beeinflusst. Weil am gestrigen Abend dieses wichtige, aber auch widersprüchliche Konzept kaum beleuchtet wurde, hier ein paar Gedanken dazu.

Ökoeffizienz – eine überflüssige Betrachtung

Im Alltag ist Ökoeffizienz häufig deshalb überflüssig, weil Preise relative Knappheiten durchaus richtig wiedergeben und Preise für Akteure ultimativer Anreiz zum sparsamen Umgang mit knappen Ressourcen sind. Zwar heisst es in Lehrbüchern immer wieder, dass Umweltknappheiten nicht oder nur unzureichend in Preisen abgebildet seien. Theoretisch ist dies nachvollziehbar. In der Realität ist meine Erfahrung jedoch eine andere. Sind die Preise marktgerecht, dann sind in den allermeisten Fällen auch bereits die Umweltauswirkungen ziemlich gut optimiert. Sind die Preise hingegen wegen staatlichen Eingriffen verfälscht, wie beispielsweise heute in der Kohle- und Stahlindustrie, in der Energiewirtschaft oder früher in den kommunistischen Planwirtschaften, treten in der Tat notorisch adverse Umwelteffekte auf.

Ökoeffizienz – ein irreführender Begriff

Irreführend ist Ökoeffizienz dann, wenn sie unter Inanspruchnahme von knappen Ressourcen zum sparsameren Einsatz von nicht oder relativ weniger knappen Ressourcen führt. Dazu zähle ich beispielsweise Initiativen, welche in der Schweiz Wasser sparen wollen. Wir haben das Glück über reichlich Wasser zu verfügen – warum also darauf verzichten? Duschen im Schongang macht in der Schweiz in Bezug auf das Wasser keinen Sinn, noch weniger alle kostspieligen Kampagnen und Investitionen zum Wassersparen.

Ökoeffizienz – eine sinnvolle Perspektive

Ökoeffizienz als Optimierungskriterium für Prozesse und Produkte ist aber trotz dieser Einwände manchmal auch ein extrem nützliches Konzept oder vielmehr eine extrem nützliche Perspektive. Die Anwendung sehe ich (1) im Umweltmarketing, (2) wenn Umweltknappheiten schlecht in Preisen abgebildet sind oder (3) die Preise infolge staatlicher Regulierung zu perversen Folgen für die Umwelt führen. Letzteres, sozusagen die «Umweltperversion», droht in Zukunft angesichts der sich immer rascher ausbreitenden staatlichen Regulierung zum Hauptanwendungsgebiet der Ökoeffizienz zu werden.

Ökoeffizienz – ein subjektives Konzept

Jede eingehende Beschäftigung mit Ökoeffizienz führt rasch zur Einsicht, dass in der Praxis brauchbare Aussagen ausschliesslich auf Wertaggregationen von mehreren Umweltknappheiten beruhen. Bevor die betroffenen Umweltgüter jedoch zusammengezählt oder verglichen werden können, sind subjektive Bewertungen notwendig. Aktuelles Beispiel ist die Debatte um Dieselfahrzeuge. Sie beweist nicht zuletzt, dass sich solche Bewertungen in der Öffentlichkeit hin und wieder auch ändern (dies vermutlich nicht zum letzten Mal). Wollen wir weniger Luftschadstoffe oder weniger Kohlendioxid ausstossen?



Stefan Schmidheiny hat uns mit der Ökoeffizienz einen grossen Denkanstoss gegeben. Die Ökoeffizienz kann die Marktsignale mit einer wichtigen subjektiven Perspektive ergänzen – läuft dabei allerdings auch Gefahr, politisch vereinnahmt und missbraucht zu werden.

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