No-Billag oder No-Ad?

No-Billag oder No-Ad?

Die Schweiz erhebt eine weltrekordverdächtige und erst noch als Gebühr getarnte Steuer zugunsten der SRG, einem ebenfalls als Verein getarnten Staatsbetrieb. Dagegen ist die sogenannte No-Billag-Initiative lanciert worden, die eine Abschaffung dieser Zwangsabgaben fordert. Schlau, wie sie halt ist, hat Bundesrätin Leuthard die private Firma Billag ausgewechselt, sodass die Initiative zumindest wörtlich ins Leere zielt.

Die Begründung für die Steuer ist natürlich der Service public, was immer man darunter verstehen will oder muss. Systemwidrig ist dabei jedoch das Recht der SRG, auch im Werbemarkt tätig zu sein. Radio und Fernsehen der SRG operieren so in zwei Märkten: Zum einen buhlen sie um Hörer oder Zuschauer, zum anderen suchen sie Werbeaufträge und Sponsoren. Diese beiden Märkte bilden ein Spannungsfeld, indem einerseits zu viel Werbung die Zuschauer vergrault oder gar vertreibt, aber andererseits die Werbung mit steigenden Zuschauerzahlen wertvoller und somit teurer wird.

Das führt bereits zu einem inhärenten Konflikt, indem nicht Service-public-Inhalte das Programm dominieren, sondern die Einschaltquoten. Deshalb bringen die SRG-Angebote so viel Sport und Unterhaltung (mit Rigozzi neuerdings selbst in der «Arena»), dass die Unterschiede zu rein kommerziellen Sendern verschwimmen oder ganz verschwinden wie zum Beispiel bei SRF 3. Dabei hat die SRG im Werbemarkt den grossen Vorteil, dass sie ja ihre Kosten hauptsächlich durch Zwangsgebühren decken kann. Dadurch kann sie private Sender, aber auch andere Medien ohne staatliche Finanzierung unter Preisdruck setzten. Dies mildert man in typisch schweizerischer Manier so ab, dass auch Zeitungen Subventionen erhalten und die privaten Radio- und TV-Sender ein paar Krümel des SRG-Gebührenkuchens auflesen dürfen.

Es wäre deshalb zu fragen, ob nicht die Werbung verboten werden sollte, wenn man schon happige und erst noch nutzerunabhängige Steuern erhebt. Also eine No-Ad-Initiative statt der No-Billag. Dafür spricht nun in der Tat einiges, und in einigen Ländern ist das auch bereits Realität. Öffentliche Sender oder Service-public-Kanäle sind werbefrei.

Einen Teil des Werbeärgers kann man sich ja ersparen, indem man den TV sekundengenau vor der «Tagesschau» einschaltet, wobei der Ärger (immer häufiger) auch in der Sendung selbst aufkommt. Kürzlich haben wir wieder einmal einen klassischen Film angeschaut, der jedoch durch sehr lange Werbepausen unterbrochen wurde. Weil man den Anschluss im Film nicht verpassen will, bleibt man auf Empfang und ärgert sich doppelt, wenn die gleiche (doofe) Werbebotschaft zum zweiten Mal über den Bildschirm flattert.

Also entweder oder: Zwangsgebühren oder Werbung? Beides zusammen verzerrt das Programm und den Werbemarkt. Ich würde die Gebühr zugunsten der SRG halbieren, den Service public eng definieren und Werbung verbieten. Also eine halbe No-Billag- und eine ganze No-Ad-Lösung.

(Dieser Beitrag erschien in der Basler Zeitung vom 9. Juni 2017.)

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