Von trockenen Flussbetten, Hobby-Verwaltungsräten, Subventionskohle sowie Macht und Geld

Von trockenen Flussbetten, Hobby-Verwaltungsräten, Subventionskohle sowie Macht und Geld

Mail der Greina Stiftung vom 15. April 2017

An Greina Stiftung - in Sachen Plus Energie Bauten (PEB), Pumpspeicherkraftwerke (PSKW) und trockene Flussläufe - offenes Mail vom 16. April 2017 von Cornelius J. Andreaus -  

Sehr geehrter Herr Cadonau,
werte Damen und Herren Holm und Wehrli

Zu Ihren Punkten 1-3 (siehe Brief Pup-up rechts):

Wir dürfen die Wirtschaftlichkeit nicht vergessen. Wie früher in unserer Diskussion erwähnt, haben wir mit der Sanierung des Heizungskonzeptes im Walliser Elternhaus den Ölverbrauch um 100% und den Stromverbrauch um 35% reduziert. Allerdings eben zu Kosten von 90'000 CHF. Wenn wir nun rechnen, dass wir die Ölheizung eh hätten erneuern müssen (Kosten: 20'000) und für ca. 1'000/Jahr Heizöl hätten besorgen müssen, dann hätten wir noch locker 65-75 Jahre (je nach Ölpreis) mit Öl heizen können. Ich werde dieses Jahr 50, meine Eltern sind 78 bzw. 84 Jahre alt. Also wirtschaftlich (die reduzierten Steuern mit eingerechnet) war diese Sanierungsmassnahme für uns auf keinen Fall, sondern einfach eine von Idealismus geprägte Hobby-Installation. Das kann man aber nicht jedem zumuten:

Ich betreue u.a. eine Liegenschaft, die seit über 40 Jahren (teilweise über 50 Jahre) von denselben Mietern bewohnt wird (Mietpreis 4.5 Zimmer Whg.: 650 CHF/Monat inkl., 3.5 Zimmer Whg: 590). Die Wohnungen sind in gutem Zustand. Heizung (Gas), Bad, Fenster, Böden etc. wurden laufend modernisiert. Wenn wir nun daraus eine PEB-Baute machen würden, müsste man mindestens 2'800 pro Monat (!) haben, einmal abgesehen davon, dass man alle Mieter zwischenzeitlich woanders unterbringen müsste. Nun, kann ich eine solche Mietpreiserhöhung den Mietern zumuten? Schlichtweg: Nein. (Fragen Sie ihr Stiftungsratsmitglied Kiener-Nellen). Und es wäre auch für die Volkswirtschaft der Schweiz fatal, zu verlangen, dass der Staat die Mietdifferenz begleicht (wir sind ja nicht in der Sowjetunion). Die Dachfläche dieses Hauses können Sie also schon mal von Ihren Berechnungen abziehen… und wahrscheinlich die von x-tausend andern Liegenschaften auch.

Wenn Sie nun mit Subventionen, staatlichen Regulierungen etc. kommen, so lesen Sie bitte die Beilage von Prof. Walter Kortmann durch… und eben „Perestroika" von Gorbatschow.

Weiter dürfte ich auch beim PEB Projekt Anliker richtig liegen, dass hier nur dank KEV-Versprechen PV-Anlagen aufs Dach gestellt wurden und die Kosten der Volatilität dieser Anlage zu Lasten der Allgemeinheit gehen - sprich Otto Normalverbraucher zahlt. Das ist klar nicht in Ordnung. Nichts dagegen, wenn man sich eine PV-Anlage aufs Dach montiert, aber bitte sämtliche Investitionen und Folgekosten selber tragen. Ich bin sogar der Meinung, dass Inhaber solcher Anlagen einen massiv höheren Netzstrompreis bezahlen müssten, da sie ja nicht zu den regelmässigen Kunden gehören, sondern nur dann Strom aus dem Netz beziehen, wenn die Sonne eben nicht mehr genug „Saft" liefert. Unter solchen Voraussetzungen würde die Bauherrschaft beim Projekt Anliker auch ganz klar keine PV-Anlage aufs Dach montieren (man heisst ja Anliker und nicht Pestalozzi).

So ist das nun mal die Regel der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung, zu der wir uns in der Schweiz bekennen.

Sie erwähnen weiter die Pumpspeicherkraftwerke. Wir rechneten das im Rahmen der Forderungen der Deutschen Energiewende-Heinis mal durch und kamen auf das Resultat, dass, wenn man das in der Schweiz machen würde, es das Einfachste wäre, in St. Maurice (Wallis) eine Staumauer zu errichten, den Rotten bis auf die Höhe Salgesch aufzustauen und das Wasser zwischen dem Genfersee und diesem „Wallisersee" (Wasser, nicht Fendant) hin und her zu pumpen. Allerdings hätten die Welschen Walliser mit grösster Wahrscheinlichkeit doch wohl etwas dagegen (immerhin an die 200'000 Menschen), zwangsumgesiedelt zu werden… und die finanzstarken Anstösser und guten Pauschal-Steuerzahler in ihren Villen am Genfersee wären nicht gerade entzückt davon, wenn ihr Seeanstoss und das nette Segelboot mehrere Monate auf dem Trockenen liegen würden. Von den Einbussen beim Tourismus wollen wir gar nicht sprechen.

Also völlig unrealistisch Ihr PSKW-Szenario, Herr Cadonau. Hinzu kommt der Umstand, dass Pumpspeicherwerke physikalisch bedingt immer mit erheblichen Verlusten behaftet sind, was also den Wirkungsgrad der eh bereits relativ schlechten PV- und Windkraft-Anlagen noch weiter reduziert.

Ich persönlich denke, dass Ihre Berechnungen diesbezüglich rein hypothetisch und unter nicht-realen Annahmen gemacht worden sind. U.a. rechnen Sie mit leeren Speicherbecken, diese sind aber nicht leer und schon mal gar nicht dann, wenn eine PEB-Anlage infolge Überproduktion Speicherplatz benötigt. Träumen ist gut, aber gottseidank leben wir nicht im kommunistischen China (wo mit dem Drei-Schluchten-Damm 6 Millionen Menschen ihrer Heimat beraubt worden sind) oder in der Sowjetunion, wo man über die Menschen hinweg „geplant" hat ... die Sowjetunion ist pleite gegangen, weil ihre Planwirtschaft unrealistische Annahmen getroffen hat ... siehe „Perestroika".

Zu Punkt 4 (trockene Flussbette):

Diese Aussage des Bundesrats (sprich der Bundesrätin Doris Leuthard) ist völlig abstrus und weltfremd. Man kann derzeit schlichtweg keine Verbindung zwischen trockenen Flussläufen und den Kernkraftwerken erkennen und schon gar nicht knüpfen. Hier spricht wieder einmal eine Bundesrätin, die kei... (ok, hier höre ich auf, denn mein Anstand verbietet es mir, hier noch direkter zu werden... Sorry Doris Leuthard, falls Sie wirklich so einen Spruch haben fallen lassen, disqualifiziert Sie das schlichtweg aufs Schlimmste).

Der Grund der „15'800km ausgetrockneten Fussbetten" liegt ganz wo anders und gerade unsere Bundesrätin als ehemalige Verwaltungsrätin der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg EGL und all ihre CVP-Kollegen mit VR-Mandaten in Stromkonzernen sollten das haargenau wissen: Haben Sie einmal die Firmen- und Verwaltungsstrukturen etwa von Alpiq, Axpo, EnAlpin, BKW etc. angeschaut?

X-Tochter-Tochter-Tochter Gesellschaften, hinunter bis zur Minikraftwerk AG eines Walliser Bergdorfes mit zwei Hobby-Gemeinderäten im Verwaltungsrat. Diese Mini-Kraftwerk AG muss natürlich profitabel arbeiten, sprich möglichst viel Wasser nutzen. Wir leben nun mal in einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung und da ist es auch Pflicht (als Jurist können Sie, Herr Cadonau, hier sicher den entsprechenden OR-Artikel nennen) eines jeden Unternehmens, entsprechend wirtschaftlich zu arbeiten. Bei Axpo und AEW ist die Wirtschaftlichkeit als 3. Punkt der durch den Kanton Aargau klar definierten Firmenleitlinien aufgeführt. Insofern macht eben jedes Wasserkraftwerk genau das was es vorschriftsmässig machen muss: möglichst viel Wasser nutzen, um möglichst viel Strom zu produzieren.

Also: Die Restwassermengen kann man nur dann erhöhen, wenn man gute Alternativen zur Wasserkraft hat, sprich auf Wasserkraftwerke verzichten kann (Einschub: Wer um Gottes Willen, will denn heutzutage auf die „erneuerbare Energie Wasserkraft" verzichten???). Diese Alternativen liegen entweder in Kernkraftwerken oder fossilen Kraftwerken. Vorzugsweise eben in MSR-Reaktoren unter der Wiederverwendung von Atommüll. Da kommt enorm viel Pfupf raus, dieser ermöglicht einen von allen akzeptierbaren, günstigen, wirtschaftlich vertretbaren Strompreis, sodass man ruhig auf das eine oder andere Wasserkraftwerk verzichten kann. Das notabene ohne Subventionen, KEV und anderem Beamtenklamauk aus dem BFE und erst recht noch quasi emissionsfrei. (...)

Mit PV-Anlagen, Windenergie oder PEB zusammen mit PSKW kommen Sie nie so weit. Denn gerade wenn Sie noch Pumpspeicherkraftwerke als „Batterie" benutzen wollen, zählt jeder Tropfen genutztes Wasser zum Wirkungsgrad der Gesamtanlage und mit grosser Wahrscheinlichkeit hätten Sie mit der PEB-PSKW noch mehr Kilometer trockene Bach- und Flussbetten.

Der hauptsächlichste Punkt, warum die „Flussbette austrocknen" liegt aber in den Deutschen Energiewende-Subventionen. Diese bewirkten, dass der Strompreis zusammenbrach, heute darnieder liegt und so nun jedes Schweizer Wasserkraftwerk gezwungen ist, möglichst viel zu produzieren, sprich möglichst viel Wasser nutzen muss, damit man überhaupt noch die Kosten decken oder zumindest möglichst viel zur Kostendeckung beitragen kann. Das ist ein elendiglicher Teufelskreis und dieser vernichtet (nebst wasserführenden Flusslandschaften) in der Schweiz auch Milliarden an Volksvermögen (siehe Verluste Axpo, Alpiq etc.). Gelder die man u.a. besser zum Schutze von Fischbeständen und Auen nutzen könnte.

>>>>>>Nun genau unsere Energieministerin Doris Leuthard hätte es eben ganz klar in der Hand, diesem Teufelskreis ein Ende zu bereiten (macht sie aber nicht…). Sie müsste nur Klage bei der WTO und der OECD einreichen (für Private wie mich ist das nicht möglich, hätte ich sonst längst getan) und ein Ende der Deutschen Subventioniererei und damit direkt das Ende der Deutschen Energiewende zu fordern. Das würde den Produktionsdruck von den Schweizer Wasserkraftwerken nehmen und schon hätte man wieder mehr Wasser in Flussbetten, weil dann die Walliser Bergdorf Mini-Kraftwerk AG eben auch dann rentiert, wenn man den einen oder andern Kubikmeter Wasser nicht fasst, sondern durchfliessen lässt. Doch genau die ideologische Einstellung der Bundesrätin Leuthard bzw. ihres Beraterteams verbietet das. Insofern sind eben nicht die AKW „Schuld" an den ausgetrockneten Flussbetten, sondern einzig und allein unsere Bundesrätin Doris Leuthard! Sie hätte es in der Hand, das zu ändern! Leuthard müsste dazu aber eben die Energiewende und damit die Energiestrategie 2050 aus ihrem Gedankengut entfernen.

Oder warum reicht nicht ein CVP-Nationalrat eine Motion diesbezüglich ein und warum hat die CVP den FDP-Mann Christian Wasserfallen bei seinen Anträgen nicht unterstützt? Es winkt eben der KEV-Subventionshonigtopf, daraus will man sich bedienen. Herr Cadonau, ich bin in einem CVP/CSP-Kanton aufgewachsen, bin mit einigen dieser Pappenheimer, ex-National- und Ständeräten, Parteipräsidenten per du und weiss wie die denken... Nur die Subventionskohle allein zählt bei den Befürwortern der Energiewende und so zerstört man proaktiv die Schweizer Natur- und Flusslandschaften im pseudo-grünen Mäntelchen! Genau das passiert bei einem ja am 21. Mai.

Nochmals: Wer die Schweizer Umwelt, die Schweizer Landschaft, die Schweizer Fluss- und Auenlandschaften etc. schützen will, legt am 21. Mai ganz klar ein NEIN in die Urne.

All die SP-Parteimitglieder und Sympathisanten sollten für einmal über ihren parteipolitischen Schatten springen ... auch wenn das Beat Jans und Rudolf Rechsteiner nicht so gerne sehen und gemäss Lenin, Honecker oder Mielke „Untreue" gegenüber der Partei geltend machen würden… die Umwelt und die Landschaft werden es danken! Es gab Zeiten, da wählte auch ich lieber einen Visper SP-Dickschädel in den Walliser Staatsrat als einen weiteren CVP-Mann... aus Umweltschutzgründen... und nun kommen genau diese Leute daher und wollen „meine" Landschaft pro-aktiv verschandeln, damit sie im Falle eines Falles nicht verschandelt werden kann... muss das mal mit Pierre Imhasly besprechen...

Der wahre Grund übrigens, warum die SP-Schweiz für die Energiestrategie 2050 ist, ist, weil sie sich davon mehr politische Macht verspricht. Die SP kontrolliert die Energieversorgung der Schweiz und damit den Lebensnerv. Die Jungs von der SP sind zwar verlogen, aber eben nicht blöd... und da die Sozis genau wissen, dass man mit Speck die Mäuse fangen kann bzw. mit Subventionen bauernschlaue Bauern oder geltungsbedürftige Bundesrätinnen... Macht und Geld sind die wahren Ziele der Energiestrategie 2050 und genau das war schon immer das momentum aut perniciosus…

Das Energiegesetz übrigens, schränkt die Einsprachemöglichkeit der Stiftung Greina bei Energieneubauten stark ein. Sprich: Sie können sich gegen ein erneutes Greina-Projekt gar nicht mehr zur Wehr setzen, denn Energieproduktion steht in Zukunft über Landschaftsschutz... Also überlegen Sie sich das nochmals!

Freundliche Grüsse und frohe Ostern

Cornelius J. Andreaus

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Auf dem Weg in die Staatswirtschaft
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