Energie- und Klimapolitik müssen optimiert werden | Occorre ottimizzare la politica energetica e climatica

Energie- und Klimapolitik müssen optimiert werden | Occorre ottimizzare la politica energetica e climatica

Gastbeitrag von Prof. Dr. Arturo Romer, Minusio -

1. Unsere Treibhausgas-Reduktionen wären selbst dann planetarisch nicht messbar, wenn wir sie auf null reduzieren würden. Die Schweiz macht wohl vor allem aus ethischen, solidarischen oder politischen Gründen am Pariser Klimaabkommen mit. Das kann ich nachvollziehen. Jedoch sollten wir keine Vorreiterrolle bei der Reduktion spielen, sondern uns und unser Geld für bessere Ansätze einsetzen, z.B. für weltweiten Emissionszertifikathandel (Cap & Trade), Joint Implementation und Anpassungsmassnahmen.

2. Die mittlere schweizerische Temperatur wird vermutlich weiterhin zunehmen (seit dem Jahr 1864 bis heute hat sie schon um 1.9 Grad Celsius zugenommen) – und zwar wahrscheinlich stärker als die mittlere Temperatur weltweit. Daran können wir mit unseren eigenen Reduktionen nichts ändern. Wir sind total und dauerhaft den grossen Emittenten (China, USA, Indien, Russland, Japan, Deutschland, Südkorea, Kanada, Saudi-Arabien, Iran, Grossbritannien, Brasilien, usw.) ausgeliefert. Die meisten ihrer Einwohner (mehrere Milliarden Menschen!) streben nach einem höheren Lebensstandard. Niemand kann oder darf es ihnen verbieten. Im Gegenteil, wir können ihnen durch Joint Implementation helfen, dass ihr Wachstum weniger umweltschädlich ist. Der Welt-Energieverbrauch wird weiterwachsen. Die Entkopplung von Energieverbrauch und Wachstum bleibt global gesehen eine Mär. Also werden auch die Treibhausgas-Emissionen in Abhängigkeit des Energieverbrauchs weiter zunehmen. Als Folge davon dürfte sich auch die mittlere planetarische Temperatur erhöhen. Um wieviel, ist kaum abzuschätzen, denn es gibt es ausser den Treibhausgasen noch viele andere schwächende und verstärkende Einflussfaktoren sowie positive und negative Rückkoppelungseffekte auf die Erderwärmung. Es gibt in der Klimawissenschaft noch sehr viele Fragezeichen.

3. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens haben viele Nationen den Willen geäussert, den Klimawandel mit ambitiösen Massnahmen zu bekämpfen und dadurch hohe Kosten in Kauf zu nehmen. Gewiss werden sich später viele Zusagen als Lippenbekenntnisse herausstellen. Nicht alle Willensäusserungen und Versprechungen werden sich vollständig umsetzen lassen – Sanktionen sind keine vorgesehen. Aber immerhin sind sich sehr viele Nationen der Klimaproblematik stärker bewusst geworden. Mit einem einzigen Abkommen kann man sie so oder so nicht lösen.

4. Der Klimawandel wird die Schweiz mittel- bis langfristig wahrscheinlich ziemlich schwer treffen, wie gesagt, völlig unabhängig von unserem Energieverbrauch und unseren Emissionen – unvermeidlich und irreversibel! Kennen wir die Gefahren und Risiken? Welche Anpassungsmassnahmen sind in der Schweiz schon heute vorgesehen – Geländeverstärkung, Walderhaltung, Waldvermehrung, Wasserbau, Schutz vor Hochwasser, Wasserreserven, Kanalisationen, Interventionen in den Flussbetten? Dafür wäre das Geld immerhin gut investiert. Was kosten all diese Massnahmen? Wer ist zuständig – Gemeinden, Kantone oder der Bund? Wie bezahlt man sie? Diese Fragen und Probleme wurden weder in der Energiestrategie 2050 und im Energiegesetz vom 30. September 2016 noch generell in der Klimapolitik adressiert, geschweige denn beantwortet. Hat man sich hier mit Blick auf anstehende Wahlen selber unter Zeitdruck gebracht und oberflächlich gearbeitet?

5. Wir brauchen in der Schweiz mittel- bis langfristig pro Kopf vermutlich weniger Energie im Winter (wärmere Winter) aber mehr Energie im Sommer (Kühlung). Im Sommer könnte damit die Sonnenenergie (thermisch und photovoltaisch) durchaus eine wichtige Rolle spielen. Aber dafür muss sie weiter verbessert werden.

6. Priorität sollten aus diesen Gründen heute Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen erhalten: technisch, ökonomisch wie institutionell. Wir müssen nach Lösungen suchen, die ohne Subventionen in die richtige Richtung weisen. Wenn das Pariser Abkommen auch nur halb so viele Massnahmen auslöst, wie versprochen wurden, dann könnte dies die konventionelle Stromproduktion verteuern und den neuen Erneuerbaren Energien zu einer besseren Position im Markt verhelfen.

7. Es fragt sich, ob Bürgerinnen und Bürger wirklich ernsthaft glauben, dass wir in der Schweiz die möglicherweise schwerwiegenden negativen Konsequenzen des globalen Klimawandels durch das extrem teure Paket "Ratifizierung + CO2-Gesetz + Energiegesetz" vermeiden können. Das wäre eine fatale Selbsttäuschung! Geschürt durch viele falsche Propheten und Prediger.

Daher gibt es nur eine Antwort für die Abstimmung vom 21. Mai 2017: Energiegesetz nein!

Jedem Gnoom sy Stroom
Weit weg vom «Ogi-Ei» (Reblog)
 
Derzeit gibt es keine Kommentare.
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Di. 19. Nov. 2019

Sicherheitscode (Captcha)

Cron Job starten