Gedankenanstösse
(für das GIM 2017 Meeting vom 8.Mai 2017 am SWISSTECH CONVENTION CENTER, EPFL)

Energiestrategie 2050 (ES2050)

Frau Bundespräsidentin,

wieso bezeichnen Sie das Energiegesetz als Teil der ES2050? Eine Strategie beinhaltet eine klare Zielsetzung unter Berücksichtigung der vorhandenen und zusätzlich möglichen Mittel sowie einen konkreten Ausführungsplan. Sie kommen mir vor, wie der seinerzeitige US-Staatssekretär für Verteidigung McNamara, der einen militärisch wenig wirksamen Bombenhagel über Vietnam auslöste, und dann grossspurig mehrere Male ankündigte, «Wir werden 10'000 Mann zusätzliche Truppen senden und diesen Krieg gewinnen», der dann aber doch nicht zu gewinnen war. Wieso dem so war, ist klar, McNamara hatte keine Strategie, die dieser Bezeichnung gerecht wurde. Sie tun es ihm gleich – mit dem Unterschied, dass ihr Gegner die Kernkraft ist. Und statt Soldaten setzen Sie Hunderte von Millionen Franken für Subventionen und marginale Forschungsziele ein, die Ihr Traumziel nicht erreichen können.

Als liberaler Bürger kann ich nicht verstehen, wieso Sie ein erfolgreiches, in der Welt beinahe einzigartig funktionierendes Stromversorgungssystem umbauen wollen, und zwar derart, dass Sie dabei Probleme schaffen, die es ohne diesen Umbau gar nicht gäbe. Damit ist besonders der Flatterstrom gemeint. Administrationen wären doch dazu da, um Probleme zu lösen, nicht zu kreieren?! Übrigens: «Mit Erfolg soll man nie streiten», lautet eine altbewährte Devise.

Ihre bundesbernische Arbeit zu diesem Energiegesetz war von Anfang an ungenügend (sogar schludrig) und verdient nichts als Versenkung!

Stimmbürgerinnen und Stimmbürger,

Würden sie ein Auto ohne passende Räder kaufen?

Um die Preise für Autos möglichst tief anzusetzen, wurden diese während der 1960er Jahre in den USA ohne Räder verkauft. Das ist doch ganz analog zu dem, was Frau Leuthard machen will mit dem neuen Energiegesetz. Der Flatterstrom im erneuerbaren System kann nur mit Speicher und/oder Produktionsreserven (Back-up Werke) ausgeglichen werden. Fehlen sie, so funktioniert das System nicht, egal ob lokal oder weiträumig. Genauso wie ein Auto ohne Räder, mit dem man auch nicht vom Fleck kommt.

In den Staaten wurde diese Verkaufsmethode gesetzlich verboten. In der Schweiz soll sie dagegen mit dem neuen Energiegesetz gesetzlich vorgeschrieben werden! Damit können die von Frau Leuthard ständig behaupteten Kosten von 40 Fr. je Haushalt und Jahr nicht der vollen Wahrheit entsprechen, denn Speicher oder Produktionsreserven sind und bleiben teuer und sind in diesem Betrag nicht eingeschlossen.

Kennen sie jemanden, der aus Regen oder Schnee Strom macht?

Wohl kaum, weil Regen nur zeitweise fällt und Schnee nur bei warmen Wetter schmilzt. Auch wenn wir im Prinzip genügend Wasser zur Verfügung haben, können wir damit nur Strom produzieren, wenn wir oder die Natur es in Kanälen, Speichern, respektive Flüssen und Seen sammeln. Es ist doch offensichtlich, dass Kosten für Speicheranlagen, Verbauungen und Kanäle der Wasserkraft angerechnet werden müssen. Ihre Kosten können nicht auf die Turbine und den Generator reduziert werden. Für Photovoltaik und Windkraft sollen aber laut Energiegesetz andere Rechnungsregeln gelten, nur um sie in einen akzeptablen Kostenrahmen aufscheinen zu lassen. Das ist reine Bauernfängerei!

Lyssenkoismus

Akademien, Universitäten und Hochschulen sind berufen, Erkenntnisse zum Wohle der menschlichen Gesellschaft zu gewinnen. Dazu dürfen sie sich nicht von politischen Strömungen vereinnahmen lassen und keine politische Propaganda betreiben, solange die wissenschaftlichen Grundlagen und Aspekte nicht gesichert sind.

Flatterstrom aus Photovoltaik und Windrädern muss zuerst veredelt werden damit er etwas taugt, und dies bedingt einen enormen technologischen und finanziellen Aufwand.

Sparen

Energiesparen ist in jedermanns Eigeninteresse, solange es fürs Portemonnaie schonend ist. Dafür braucht es nur mündige Bürger und kein Gesetz. Die Bürger wissen selber, wann, wo und wie es für sie vernünftig ist, zu sparen und ihr Verhalten zu ändern. Gehen gesetzliche Zwänge darüber hinaus, dann schadet dies nicht nur den Bürgern, sondern der ganzen Volkswirtschaft und Gesellschaft.

Auslandabhängigkeit

Es ist vermutlich aus Risikoabwägungen sinnvoll, die Auslandabhängigkeit der Schweiz bei fossilen Brennstoffen zu reduzieren, da diese drei Viertel unseres Energieverbrauchs ausmachen. Ein beachtlicher Anteil dieses Verbrauchs könnte durch elektrische Energie ersetzt werden – insbesondere durch Wärmepumpen, Fernheizungen und Elektrizifizierung des Verkehrs. Dazu braucht es aber zuverlässigen Strom, der wohl am besten mit neuen Kernkraftwerken modernster Reaktortechnik nach chinesischem Muster abgedeckt werden könnte. Kleine KKW nahe an Ballungszentren könnten zu jeder Zeit genügend elektrische Energie und Wärme liefern und eine absolut zuverlässige und umweltschonende Energieversorgung garantieren. Es ist kein Problem, Reservelager von nuklearen Brennstoffen für ein Jahrzehnt oder noch länger anzulegen. Allein unsere sogenannten nuklearen Abfälle im Zwischenlager repräsentieren eine Reserve für mindestens eine Dekade, da diese in modernen Reaktoren weiterverwendet werden können.

Um dieses Kernkraftoption aber auch nur weiter zu erforschen und ggf. entwickeln zu können, braucht unser Land eine totale Abkehr von der eingefädelten Politik à la ES2050. Nuklearabfälle sollten in der Schweiz in erster Line wiederaufbereitet und nicht vergraben werden. Das Wiederaufbereitungsverbot muss aufgehoben und allfällige internationale Abkommen müssen entsprechend angepasst werden. Das ist nur ein Element einer dringend nötigen neuen Planung für eine nachhaltig erfolgreiche energetische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft der Schweiz. So werden wir auch hochtechnologische, kreative Arbeitsplätze erhalten und schaffen (und nicht nur das Bau- und Installationsgewerbe kurzfristig ankurbeln).

Also bringen wir Frau Leuthard am 21. Mai dazu, ihre Bastelei endlich aufzugeben!

Franz-Karl Reinhart