Frischluft für die Klimadebatte

Frischluft für die Klimadebatte

publiziert in der Weltwoche vom 9. Oktober 2019

Der Widerstand gegen eine politisierte Wissenschaft formiert sich. Renommierte Forscher wenden sich in einer Deklaration gegen die allgegenwärtigen Katastrophenszenarien in der Diskussion um die Klimaerwärmung.

Am 23. September hat eine Gruppe von 500 Wissenschaftlern und Experten der Uno die Europäische Klima-Deklaration «Es gibt keinen Klimanotstand» zugesandt. In den Mainstream-Medien fand der offene Brief kaum Erwähnung. Doch die Unterzeichner sind namhafte Klimawissenschaftler, Physiker, Umweltwissenschaftler, Chemiker, Geophysiker, Geologen, Biologen, Mathematiker, Ingenieure, Astronomen, Mediziner, Ökonomen. Erstmals äussert sich hier ein hochqualifiziertes internationales Gremium, das der Komplexität des fachübergreifenden Themas Klimaerwärmung gerecht wird, kritisch gegenüber den allgegenwärtig portierten Katastrophenszenarien.

Die Unterzeichner stellen die real existierende Klimaerwärmung überhaupt nicht in Frage. Auch die messbare Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird nicht bestritten. Von Klimaleugnern kann also keine Rede sein, auch wenn das von Klimaaktivisten und oberflächlichen Medien sofort und unqualifiziert so kommentiert wird.

Die Deklaration gliedert sich in sechs Feststellungen:

1 – Die beobachtete Erwärmung hat sowohl eine natürliche wie eine menschengemachte Ursache.

2 – Die Erwärmung erfolgt deutlich langsamer, als die Modelle vorhersagen. Die Mechanismen des Klimawandels sind noch lange nicht verstanden.

3 – Die Klimapolitik stellt auf unzulängliche Modelle ab. Die Klimawirksamkeit von CO2 wird übertrieben.

4 – CO2 wird als Schadstoff und nicht als unverzichtbares und lebenswichtiges Gas für alles Leben auf der Erde wahrgenommen.

5 – Statistisch trägt die beobachtete Erderwärmung zu keiner Zunahme von Naturkatastrophen bei.

6 – Klimapolitik muss wissenschaftliche und ökonomische Realitäten respektieren.

Das Initiativkomitee ist mit renommierten Persönlichkeiten wie Professor Richard Lindzen, emeritierter Atmosphärenphysiker des MIT (Massachusetts Institute of Technology), oder Professor Benoît Rittaud, Inhaber eines Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Paris 13, besetzt. Der Initiator der Deklaration ist der Niederländer Guus Berkhout, Professor für Geophysik, der an der Technischen Universität Delft lehrte.

Die Deklaration wurde ohne systematische Unterschriftensammlung von 500 qualifizierten Persönlichkeiten unterschrieben. Alleine in Italien haben über hundert Wissenschaftler unterzeichnet, da die kritische Diskussion dort bereits seit längerem und offener geführt wird. Hierzulande war die Vorbereitung des Manifests so wenig bekannt, dass nur zwei Unterzeichnende aus der Schweiz stammen. Die Deklaration zeigt aber, dass sich der Widerstand gegen eine politisierte Wissenschaft zu formieren beginnt und tendenziösen Klimakatastrophenberichten bald Grenzen setzen wird.

Während die Deklaration in den Mainstream-Medien kaum Erwähnung fand, waren Klimaaktivisten in sozialen Medien umso schneller bereit, die Unterzeichner zu diffamieren: Die Mehrzahl des vierzehnköpfigen Vorstands erhielt in Wikipedia prompt einen anonym getätigten Eintrag als Klimaleugner. Da oberflächliche Medien ihre Recherche heute auf das Nachlesen in Wikipedia beschränken, ist das eine effiziente Methode, um eine Person in eine vermeintlich fragwürdige Ecke zu stellen, auf Neudeutsch: zu «framen».

Typisch ist, dass eine wissenschaftliche Diskussion mit Argument und Gegenargument überhaupt nicht mehr stattfindet. Selbst Wissenschaftler der ETH, die eigentlich die Regeln der akademischen Debatte kennen müssten, verletzen diese Grundsätze. So entzieht sich der Klimatologe Reto Knutti der Beantwortung sachlicher Argumente und begnügt sich mit Ad-hominem-Bemerkungen auf Twitter. Sein Kommentar zur «Europäischen Klima-Deklaration»: «Wissenschaftler? Von den vierhundert Unterzeichnern haben nur eine Handvoll einen Hintergrund in Klimawissenschaft, die Mehrheit sind Schreibende, Ingenieure und Geologen mit keiner Expertise auf diesem Gebiet.» Doch die Debatte benötigt genau dieses breite Fachwissen aus allen Disziplinen. Klima ist nicht alleine Atmosphärenphysik, Klima ist das Resultat komplexester Kreisläufe, chemischer und physikalischer Interaktionen der Atmosphäre mit der Bio-, Geo- und Hydrosphäre. Die Wiedergabe dieser Prozesse mit mathematischen Modellen ist alles andere als gesicherte Wissenschaft.

Unzulässige Vermischung

Auf sachliche Kritik wird nicht mehr eingegangen. Die mantra-ähnlich wiederholte Aussage «The science is settled», die Wissenschaft sei gesichert, wird oft noch unterstrichen mit Sprüchen wie: «Man kann ja auch noch die Schwerkraft in Frage stellen.» Der Unterschied zwischen Schwerkraft und Klimamodellen liegt darin, dass man das eine experimentell laufend nachvollziehen kann, das andere nicht.

Es ist jedem Forscher und jeder Forscherin unbenommen, ihre persönliche Meinung kundzutun, genauso wie das auch in dieser Deklaration gemacht wird. Doch in dem Moment, in dem ein Forscher oder eine Forscherin behaupten, dass die Grundlage ihrer Aussage wissenschaftlich gesichert sei, verlieren sie den Anspruch auf Unvoreingenommenheit und verletzen die Grundvoraussetzung stringenter Wissenschaft. Die Deklaration der 500 richtet sich genau gegen diese bedenkliche und unzulässige Vermischung von Wissenschaft und Aktivismus.

Weltuntergang gestern und heute
Klima - wenn die Argumente ausgehen
 
Markus Häring am 14.10.2019
siehe Post von Gastautor Werner Plüss:

Klima - Wenn die Argumente ausgehen

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