Probleme für alleinerziehende Mütter

Probleme für alleinerziehende Mütter

Gastkommentar von Sandra Borner in der Neuen Zürcher Zeitung vom 12. Juli 2019

Es wird viel und eingehend darüber debattiert, welches die Ursachen und Probleme sind, die dazu führen, dass Frauen in der Berufswelt immer noch untervertreten sind. Sie müssen hier nicht nochmals erläutert werden; sie sind hinlänglich klar und bekannt. Klar ist meines Erachtens auch, dass man bei diesem Thema unterscheiden muss zwischen Frauen, die ähnlich den Männern ihre Karriere im Berufsleben verfolgen, und jenen, die eine Familie gründen. Bei ersteren gibt es grundsätzlich keine Gründe, warum sie nicht gleichermassen erfolgreich sein und auch in höhere Führungsebenen gelangen können. Bei den Müttern spielen noch andere Faktoren mit hinein, die teilweise intrinsisch sind, aber zu einem grossen Teil auch in den nicht vorhandenen Strukturen und im veralteten Rollenverständnis zu finden sind.

Auch darüber wird eine Menge diskutiert, und das ist absolut richtig und notwendig. Mittlerweile kann wohl auch gesagt werden, dass grundsätzlich Einigkeit darüber besteht, dass wir etwas tun müssen, denn wir brauchen Arbeitskräfte und vor allem auch gut qualifizierte Arbeitnehmer, und da müssen wir die Frauen viel stärker einbinden, als das bisher der Fall war. Es wird einiges, wenn wohl noch immer nicht genug getan. Ein weiterer Aspekt aber, und der wird meiner Meinung nach gar nicht gross beachtet, ist das Thema der alleinerziehenden Mütter. Bei einer Scheidungsrate um die 50 Prozent kann das aber nicht einfach ausgeblendet werden. Das Ziel kann und darf hier nicht sein, dass diese Frauen in die Sozialhilfe abrutschen oder entsprechend von einer beruflichen Karriere abgeschnitten werden.

Beruflich erfolgreiche Frauen, die gleichzeitig auch Mütter sind, erwähnen immer wieder, dass das alles nur dank der Unterstützung durch ihre Partner und die Väter ihrer Kinder überhaupt möglich war und ist – und sie das ohne diese Hilfe nicht bewerkstelligen könnten. Was aber ist mit jenen Frauen, die keinen solchen Partner mehr an der Seite haben? Schön, wenn auch in diesem Fall die Partner und Väter eine sehr aktive Rolle einnehmen und bei der Betreuung der Kinder eine grosse Stütze sind. Dies aber erfordert einiges an Koordinationsaufwand und ist zudem sicher nicht als die Regel anzusehen. Es gibt nicht wenige Fälle, in welchen die Männer die Betreuung der Kinder den Frauen überlassen und sie nur an Wochenenden übernehmen.

Dazu kommen die ganzen Ferien, die ebenfalls abgedeckt werden müssen. Früher war klar und auch entsprechend geregelt, dass der Ehemann und Vater für die Versorgung der Kinder (und der Ehefrau) finanziell aufkommen muss. Heute ist das nicht mehr so. Dem Ehemann und Vater ist vielmehr seine Existenz zu sichern, und der überbleibende Teil wird der Ehefrau und Mutter bzw. den Kindern zugerechnet. Reicht dieser «Rest» nicht aus, so muss die Frau den fehlenden Betrag ausgleichen, indem sie entweder entsprechend selber verdient oder eben die Sozialhilfe bemüht. Ebenfalls werden die Frauen verpflichtet, wieder berufstätig zu werden, sobald die Kinder ein gewisses Alter erreicht haben. Dies ist sicher richtig und als solches zu begrüssen. Unsere Wirtschaft (und die Sozialwerke) braucht erwerbstätige Frauen ganz dringend.

In der Theorie und im Grundsatz klingt das also eigentlich alles vernünftig und sinnvoll. In Tat und Wahrheit aber ist dies ein weiterer Grund, warum es Frauen nicht möglich ist, in verantwortungsvolle Positionen zu kommen, wenn sie Kinder haben und zudem alleinerziehend sind.

Diese Form der Doppelbelastung ist immens beanspruchend und funktioniert nur dann, wenn auch die Männer mitziehen. Es ist dann eben eine Frage nicht nur der Organisation, sondern auch der Kapazität. Nach langen und intensiven Arbeitstagen die Kinder noch allein zu betreuen und für ihr seelisches und körperliches Wohl zu sorgen, braucht nicht nur Zeit, sondern auch Ressourcen.

Bei der heutigen Handhabung der ganzen Thematik von Trennung und Scheidung durch unsere Gesetzgebung aber wird es den Männern sehr leicht gemacht, sich da aus der Verantwortung zu ziehen. Sie müssen weder für den gebührenden Unterhalt aufkommen (sie leisten eben, was sie können), noch werden sie aktiv dazu angehalten, bei einer finanziellen Unterdeckung sich zumindest entsprechend an der Betreuung angemessen zu beteiligen. Das kann dazu führen, dass eine erwerbstätige Frau neben einem anspruchsvollen Job auch die Betreuung der Kinder übernehmen muss. Dass dies nicht dazu führt, dass diese Frauen in höhere Positionen gelangen, versteht sich von selbst.

Wurde zuvor (auch zu Recht) beklagt, dass die Männer in einem Trennungsfall finanziell enorm belastet werden, hat das Pendel nun zu sehr in die andere Richtung umgeschlagen. Wenn wir es also ernst meinen mit der Förderung der Frauen, müssen wir diese Thematik dringend angehen.


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