Widersprüche in der Klimapolitik

Widersprüche in der Klimapolitik

Anklicken für Vergrösserung.

Mit ihrer Ankündigung einer verschärften Klimapolitik sind die Grünen die grossen Gewinner der diesjährigen Wahlen. Offensichtlich beschäftigt dieses Thema viele Menschen, und die Hauptforderung ist klar: möglichst bald sämtliche CO2-Emissionen auf Null bringen - also aus allen fossilen Energien aussteigen.

Szenenwechsel: Diese Woche hat die Internationale Energieagentur IEA in Paris ihren neusten Bericht vorgestellt, den World Energy Outlook 2019. In diesem Energieausblick bis ins Jahr 2040 werden keine Prognosen gemacht, sondern es wird in drei Szenarien aufgezeigt, welche politischen Entscheidungen zu welchen Resultaten führen: ein Realitätsspiegel für verschiedene Absichtserklärungen also. Die wichtigste dieser Erklärungen auf dem internationalen Parkett ist das Pariser Klimaabkommen von 2015. Dort haben die meisten Länder ihre Klimaziele für die nächsten Jahre deklariert.

Interessant ist nun das IEA-Szenario «Angekündigte Politik», das davon ausgeht, dass sämtliche im Pariser Abkommen festgehaltenen Strategien zu hundert Prozent umgesetzt werden. Unter diesen Voraussetzungen wird berechnet, dass der weltweite Energieverbrauch bis 2040 um über ein Viertel anwächst: Eine um mehr als 1.5 Milliarden wachsende Bevölkerung, sowie weiteres Wirtschaftswachstum, das Armutsreduktion und Umweltschutz ermöglicht, treiben diese Entwicklung an. Und obwohl ein stark forcierter Ausbau von Wind- und Solarenergie eine gewisse Dekarbonisierung mit sich bringt, steigen die CO2-Emissionen trotzdem noch langsam weiter an. Und dies, obwohl Europa seine Emissionen um gegen 40 Prozent senkt: Das reicht aber nicht aus, um die Zunahme vor allem in den Ländern Ostasiens, und zunehmend auch Afrikas zu kompensieren.

Es ist ernüchternd: Selbst wenn sämtliche Versprechen aller Länder im Pariser Klimaabkommen vollständig umgesetzt werden, setzt mittelfristig noch keine CO2-Reduktion ein. Eine solche wäre aber nach den Berichten des Weltklimarates ab sofort dringend notwendig. Im August dieses Jahres zeigte der bekannte Klimaforscher Thomas Stocker an einer NZZ-Klimakonferenz was dies konkret bedeutet: Um das vorgegebene Ziel einer Erwärmung von maximal 1.5-Grad Celsius zu erreichen, müssten die CO2-Emissionen bis 2032 auf Null gesenkt werden, was einer jährlichen Abnahme von 7.5 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Die globale Wirtschaftskrise von 2008 hat zu einem Rückgang von zwei Prozent geführt, das war aber völlig einmalig, im Durchschnitt sind die Emissionen in den letzten Jahrzehnten um ein bis zwei Prozent pro Jahr gestiegen.

Dieser Zusammenhang ist aufschlussreich: Wir haben bisher im weltweiten Massstab noch keine Mittel, um den Energieverbrauch – den Blutkreislauf unseres Wohlstandes – stabilisieren oder sogar senken zu können, es sei denn durch Wirtschaftskrisen (die beiden Ölkrisen der 70er-Jahre sind weitere Beispiele). Unsere heutigen Energiesysteme sind derat komplex, global vernetzt, von gewaltigen Dimensionen und auf lange Zeit gebaut, dass grosse Umwälzungen mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Vor allem aber werden die wirklich gewichtigen politischen Entscheidungen in diesem Zusammenhang nicht in Europa fallen: sondern heute vor allem in China, bald auch in Indien und weiteren ostasiatischen Ländern, bevor dann auch Afrika mitbestimmend sein wird.

Dies sollten die Grünen bei ihren Forderungen auch in der Schweiz berücksichtigen.

---

Dieser Beitrag wurde am 25. November 2019 in der Zeitung „Die Botschaft" publiziert und findet sich auch im Blog "Schlumpf-Argumente" des Autors. 


Pensionskassen im Sumpf
Der Geist von „Paris 2015"
 
Gäste - Philippe Huber am 02.12.2019
Die Grünen sind vermutlich unbelehrbar und teilweise blind

Aber es sind wenigstens Idealisten, die eine bessere Welt wünschen. Die Technologien für einen Umstieg sind auch grundsätzlich vorhanden: Kernenergie, Windkraft, Solarenergie, usw. Man kann aber heute viel mehr Geld verdienen bzw. man kann heute in dieser schönen Welt nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn man weiterhin auf Erdöl, Erdgas und Kohle setzt! Alles klar?

Aber es sind wenigstens Idealisten, die eine bessere Welt wünschen. Die Technologien für einen Umstieg sind auch grundsätzlich vorhanden: Kernenergie, Windkraft, Solarenergie, usw. Man kann aber heute viel mehr Geld verdienen bzw. man kann heute in dieser schönen Welt nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn man weiterhin auf Erdöl, Erdgas und Kohle setzt! Alles klar?
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Sa. 14. Dez. 2019

Sicherheitscode (Captcha)